Stellungnahme SPD Fraktion zum Aquatoll

Veröffentlicht am 23.07.2018 in Fraktion

Nachfolgend die Stellungnahme der SPD-Gemeinderatsfraktion zum Fortbestand des Aquatolls in der Gemeinderatssitzung am 19. Juli 2018 in der Ballei.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Hertwig,

sehr geehrte Frau Dr. Mösel,

sehr geehrte Damen und Herren des Gemeinderates,

werte Besucherinnen und Besucher der öffentlichen Gemeinderatssitzung

 

 

Der Gemeinderat muss heute über die Zukunft des Aquatoll entscheiden. Wir haben in der SPD Fraktion lange und ausführlich über alle Varianten und die daraus resultierenden Folgen diskutiert. Wir haben sorgfältig und kritisch die uns vorgelegten Gutachten, das präsentierte Datenmaterial, die Kostenschätzungen und Untersuchungsberichte analysiert. Wir haben aber auch die „weichen Faktoren“ in unsere Überlegungen mit einbezogen. Beispielsweise welche Nutzergruppen aus Neckarsulm sind und vor allem wie, von dieser Entscheidung betroffen, welche Außenwirkung hat die Entscheidung, welchen Beitrag leistet das Aquatoll zum Image der Stadt Neckarsulm oder was passiert mit den Menschen die im Aquatoll arbeiten.

 

Entscheidend sind und waren natürlich auch die betriebswirtschaftlichen Kennziffern des Eigenbetriebes Aquatoll. Seit Jahren entstehen im Eigenbetrieb Aquatoll Verluste. Auch diese Daten haben wir kritisch hinterfragt, analysiert und bewertet.

 

Als Fazit und vorläufiges Ergebnis muss folgendes festgehalten werden:

1. Rein betriebswirtschaftlich betrachtet müsste eigentlich der gesamte Eigenbetrieb liquidiert werden. Mit Ausnahme des Saunabereiches, wo eine schwarze Null erwirtschaftet wird, sind die Bereiche Spaßbad, Sportbad und Freibad defizitär.

 

2. Die weichen Faktoren sprechen für eine Fortführung in der bisherigen Form

 

Anders ausgedrückt: Der Kopf sagt nein zur Sanierung, der Bauch sagt ja.

 

Die SPD Fraktion wird sich nach intensiver Prüfung mehrheitlich für eine Fortführung und Sanierung des Aquatolls aussprechen.

 

Lassen sie mich die Gründe dafür erläutern:

 

Mit Ausnahme der Sauna machen alle drei anderen Bereiche Verluste. Gemessen an der Besucherzahl ist der Pro-Kopf-Verlust im Spaßbad noch am niedrigsten. Und sicherlich wird das Sportbad überwiegend von Neckarsulmern genutzt. Aber auch dort akzeptieren wir einen Verlust von rund 800.000 € vor Abschreibungen bei ca. 100.000 Besuchern,  während es im Spaßbad ein Verlust von ca. 1.200.000 € vor Abschreibungen bei rund 275.000 Besuchern ist. Im Freibad liegt der Verlust vor AfA bei ca. 440.000 € bei rund 52.00 Besuchern.

 

Vergleichen wir andere zuschussbedürftige Einrichtungen in Neckarsulm gibt es teilweise noch schlechtere Relationen. Allerdings muss angemerkt werden, dass im Aquatoll aktuell nun mal halt größere Investitionen anstehen.

 

Auf der anderen Seite sehen wir aber auch den großen Zuspruch von „jungen und alten Neckarsulmern“, die gerne ins Aquatoll gehen. Dies hat sich auch im Urteil der Bürgerbeteiligungsgruppe deutlich bestätigt.

 

Trotzdem sind wir mehrheitlich für die Fortführung. Allerdings knüpfen wir Voraussetzungen an die Entscheidung.

 

1. Die Sanierungskosten im ersten Abschnitt müssen durch Fachbüros verifiziert werden. Eine Freigabe der Mittel kann erst erfolgen, wenn die erforderlichen Analysen dazu vorliegen. Die angesetzten 12 Mio. € sind für uns die Obergrenze, basierend auf dem Gutachten des Büros Kannewischer.

 

2. Der angesetzte Betrag für die Sanierung und Erweiterung des Saunabereiches erscheint uns extrem hoch. Wir brauchen hier keine Luxussanierung. Hier kann unserer Meinung nach ein erheblicher Betrag eingespart werden. Auch die Größenordnung der Erweiterung muss sorgfältig abgewogen werden. Einsparungen im Saunabereich könnten die geplanten Kosten von 12,0 Mio. € im ersten Sanierungsabschnitt reduzieren.

 

3. Der Eigenbetrieb braucht wieder eine Werkleitung die täglich vor Ort ist, insbesondere während der Bauphase muss sie permanent präsent sein. Von Vorteil wäre hier eine rasche Besetzung und Einarbeitung durch die derzeitige Werkleitung aus Heilbronn. Dies schließt eine zukünftige Zusammenarbeit mit Heilbronn trotzdem nicht aus. Wo möglich, sollten hier weiterhin Synergieeffekte gehoben werden.

 

4. Beim Sportbad sind ebenfalls Veränderungen in Nutzung und Preisgestaltung notwendig. Auch hier kann die bisherige und neue Werkleitung Vorschläge erarbeiten und dem Gemeinderat zur Entscheidung vorlegen. Nutzung und Bepreisung liegen hier zu weit auseinander.

 

5. Die Einteilung des Personals muss an die Frequenz in den einzelnen Teilbereichen angepasst werden. Durch eine bessere Personaleinsatzplanung können unseres Erachtens die Personalkosten stabilisiert oder gar gesenkt werden.

 

6. Das Restaurant braucht eine neue Struktur. Verzeihen Sie mir die Umschreibung: Momentan wirkt es wie eine Betriebskantine und ist daher wenig einladend. Welcher Badegast fühlt sich hier wohl? Hier liegt unserer Meinung nach noch erhebliches Umsatzpotential brach. Ich möchte aber auch betonen, dies liegt nicht an den dort arbeitenden Menschen, sondern an den baulichen Gegebenheiten.

 

7. Es müssen wieder stärkere Aktivitäten im Bereich Marketing und Events erfolgen. Unser Aquatoll war einmal für seine vielfältigen Aktivitäten (z. B. Beispiel Beachparty) bekannt. Hier findet fast nichts mehr statt.

 

8. Die immens hohen Energie- und Wasserkosten müssen auf den Prüfstand. Voruntersuchungen und Berechnungen haben gezeigt, dass hier erhebliches Einsparungspotential realisiert werden kann – selbst wenn zunächst weitere Investitionen notwendig sind.

 

Nochmals zusammengefasst: Wir stimmen mehrheitlich für die Beibehaltung des Aquatolls, erwarten aber die Umsetzung der oben aufgeführten Punkte

 

Neckarsulm, 19. Juli 2018

 

Für die SPD Fraktion

 

Karl-Heinz Ullrich

 

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